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Homöopathie

Einige Hindernisläufe haben Sie schon hinter sich?

Mit einem kleinen Leitfaden wollen wir Ihnen "Hilfe zur Selbsthilfe " anbieten.

I. Was ist Homöopathie?

II. Danach folgen Hinweise zur Anwendung der Homöopathie.

III. Ein paar notwendige theoretische Grundlagen und ein Blick in die Geschichte der Homöopathie bleiben Ihnen nicht ganz erspart, da Sie erst durch diese Kapitel am Schluß ein klares Bild bekommen.

I.

Zunächst zu den Grundregeln:

  • Grundregel Nr. 1: Durch die Prüfung von Arzneimitteln an Gesunden, durch die Auswertung von toxikologischen Daten sowie durch Beobachtungen an geheilten Patienten erwirbt man ein Wissen über Medikamente.
  • Grundregel Nr. 2: Durch Anamnese und Untersuchung erwirbt man ein Wissen über Patienten.
  • Grundregel Nr. 3: Die Therapie erfolgt mit einem Medikament, welches nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählt wird.

Weitere Regeln:

  • Anwendung der Medikamente in potenzierter Form
  • Anwendung der Medikamente in bestimmter Menge, Darreichungsform und in definierten Zeitintervallen
  • Unterscheidung von akuten und chronischen Krankheiten
  • Beseitigung von Heilungshindernissen

 

Zum Ähnlichkeitsprinzip: Das Simile-Prinzip wurde in der Klinischen Medizin bisher nur für die Bereiche Impfung und Hyposensibilisierungstherapie bei Allergien anerkannt. Mit einer Situation aus dem Alltag wollen wir die Ähnlichkeitsregel illustrieren:

Stellen Sie sich jemanden vor, der Liebeskummer hat. Freunde versuchen, dem Ärmsten aus seinem Leid herauszuhelfen. Der erste nimmt den Leidenden mit ins Kino, um ihn mit einem lustigen Film aufzuheitern (Behandlung mit dem Gegensätzlichen). Kaum ist der Film vorbei, fließen aber schon wieder die Tränen. Der Zweite empfiehlt Alkohol und laute Rockmusik (Unterdrückung). Der Dritte versucht zu trösten, indem er von seinem eigenen furchtbaren Liebeskummer vor einem Jahr erzählt (Isopathie). Alles vergebens. Der vierte Freund jedoch gibt einen weisen Rat: Traurige Musik soll der Leidgeprüfte hören. Und tatsächlich: Durch die traurige Stimmung, die die Musik hervorruft, wird nach und nach die Traurigkeit, die durch den Liebeskummer verursacht war, aufgelöst. Das Symptom (Traurigkeit) war also ganz ähnlich dem, welches die "natürliche" Krankheit (Liebeskummer) und die "Arzneimittelkrankheit" (traurige Musik) bewirkt haben. Die Ursache war aber völlig verschieden. Darum hat die "Therapie" funktioniert.

Ausgangsstoffe:

  • Pflanzliche Arzneistoffe
  • Tierische Arzneistoffe
  • Anorganische Arzneistoffe
  • Organische Arzneistoffe
  • Nosoden

Die Herstellung homöopathischer Medikamente ist in Deutschland gesetzlich geregelt (siehe Homöopathisches Arzneibuch plus 5 Nachträge). Neben der Anwendung der Ähnlichkeitsregel macht aber die Potenzierung das Besondere an der Homöopathie aus und soll deshalb noch genauer erläutert werden.

Potenzierung oder Dynamisation:

Mit diesen beiden Begriffen ist der gleichzeitige Ablauf von 2 Vorgängen gemeint:

  • Verdünnung plus
  • Zufuhr von Energie

Für die Herstellung von potenzierten Medikamenten gibt es drei verschiedene Ausgangsmedien:

  • Urtinktur: Preßsaft oder Auszug mit flüssigem Arzneiträger (meist Ethanol)
  • Lösung: lösliche Substanzen in flüssigem Arzneiträger (Ethanol unterschiedlicher Konzentration, Wasser oder Glycerin)
  • Trituration: unlösliche Substanz, verrieben mit Milchzucker

Zunächst zur Verdünnung:

Verdünnungsverhältnis 1:10      D-Potenz ( D = Dezimal )

Verdünnungsverhältnis 1:100     C-Potenz ( C = Centesimal )

Verdünnungsverhältnis 1:50000  Q- oder LM-Potenz ( Q = Quinquagintamillesimal, LM = falsche lateinische                                        Schreibweise für 50000) 

Energiezufuhr:

Für die flüssige Phase erfolgt die Zufuhr von Energie über Schüttelschläge in einem zu 2/3 gefüllten Fläschchen, für die feste Phase durch Reibung mit einem Pistill in einer Reibschale.

Potenz D1: Bei der Potenzierung mittels Verschüttelung wird ein Gewichtsteil einer Urtinktur mit neun Gewichtsteilen Wasser-Ethanol-Gemisch verdünnt, anschließend werden 10 Schüttelschläge von Hand appliziert. Von dieser Potenzstufe wird wiederum ein Gewichtsteil mit neun Teilen Wasser-Ethanol-Gemisch verdünnt und verschüttelt, so erhält man die Potenz D2. Die weiteren Potenzen entstehen entsprechend. Bei der Herstellung von C-Potenzen nimmt man analog einen Teil Ausgangssubstanz und 99 Teile Lösungsmittel.

Bei der Verreibung wird statt Ethanol Milchzucker verwandt, ansonsten ist das Verfahren wie bei der Verschüttelung.

Folgende Möglichkeiten für homöopathische Darreichungsformen:

  • Urtinkturen
  • Dilutionen ( flüssige Form )
  • Tabletten
  • Globuli ( Streukügelchen )
  • Verreibungen
  • Ampullen
  • Weitere Formen wie Salben, Nasen- und Augentropfen, Suppositorien.

Der Erfolg jeder Behandlung ist an eine "vernünftige Lebensführung" gebunden:

  • Angepaßte körperliche Aktivität (Vermeidung von "Stubenhockerei" und Überanstrengung)
  • Vermeidung von geistiger Überbeanspruchung
  • Vermeidung von seelischen Dauerbelastungen
  • Geregelter Tagesablauf
  • Erfülltes Sexualleben
  • Ausreichend Schlaf
  • Hygiene in der Wohnung und am Arbeitsplatz

Auch bei der Ernährung rät die Homöopathie zum "rechten Maß". Folgende Substanzen können die Wirkung der homöopathisch verordneten Medikamente beeinflussen:

  • Kaffee
  • Schwarzer Tee und Kräutertees mit hohen ätherischen Ölgehalten
  • Hochprozentige oder aromatisierte Alkoholika
  • Gewürze

Bei therapeutischen Mißerfolgen sollte man auch an ein nicht beseitigtes Heilungshindernis aus dieser Richtung denken: Campher, ätherische Öle, Lösungsmittel, Zahnpasten, Parfüm.

Da die Homöopathie zum Ziel hat, den ganzen Menschen zu behandeln und es noch wenige Vergleichsuntersuchungen , in denen auch die Homöopathie berücksichtigt wurde, existieren, halten wir uns an sehr vorsichtig definierte Einsatzgebiete:

  • Krankheiten, die nicht durch eine gravierende körperliche oder psychische Störung hervorgerufen wurden, z.B.: Befindensstörungen, Themen wie Erkältungen Sommer – Winter, Magen – Darm – Beschwerden, homöopathische Hausapotheke / Reiseapotheke, Homöopathie für Frauen: Menstruation, Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, Wechseljahre, Kinderkrankheiten.

Für die Behandlung mit Homöopathie gibt es keine "Kochanleitung": Diagnose und Therapie ergeben sich erst, wenn ein vollständiges Symptom vorliegt, d.h. welche individuelle Ausprägung die Krankheit bei jedem einzelnen Patienten zeigt. Wenn Sie einen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker um Rat fragen, wird er folgende Fragen klären:

  • Wann und in welchem Zusammenhang trat das Symptom auf?
  • Wo ist das Symptom genau lokalisiert?
  • Wie äußert es sich?
  • Wodurch wird das Symptom gebessert oder verschlechtert?

Nach der Wahl des passenden Arzneimittels muß noch entschieden werden über die Potenzhöhe, Dosis und Dauer der Behandlung.

Auch hierfür einige Faustregeln:

  • Tiefpotenzen C1/D1 bis etwa C6/D12.

 - Die Anwendung ist angezeigt bei nur teilweiser Ähnlichkeit ("Bewährte Indikationen")

- organischer Vorschädigung

- Träger vegetativer Reaktionsweise.

Die Anwendung ist begrenzt, da

-niedrige Potenzen keine tiefgreifende Wirkung besitzen

-deutliche Erstverschlimmerungen möglich sind (s.u.)

-bei sehr tiefen Potenzen eine starke Substanzwirkung vorhanden sein kann.

  • Mittlere Potenzen C6 / D12 bis C15 / D30

-sie nehmen eine Zwischenstellung ein

-sehr toxische (z.B.: Aconit, Quecksilberverbindungen, Phosphor) oder im Rohzustand unarzneiliche Substanzen (z.B.:Kochsalz) sind erst ab dieser Stufe einzusetzen.

  • Hochpotenzen etwa ab C15 / D 30

Die Anwendung ist angezeigt bei

    -funktionellen und psychischen Störungen

    -chronischen Erkrankungen

    -überschießender vegetativer Reaktion

Die Anwendung ist nicht unproblematisch, da

    -sie sehr sorgfältig ausgewählt werden müssen, bei organischer Vorschädigung und bei Endstadien sind gefährliche Reaktionen möglich,

    -die Wirkdauer sehr lang ist.

    Q -Potenzen bzw. LM-Potenzen (etwa ab der 12. Stufe gelten sie als Hochpotenzen):

Sie nehmen eine Sonderstellung ein und sind angezeigt, wenn:

    -möglichst keine Erstverschlimmerung auftreten soll,

    -gleichzeitig allopathische Medikamente eingenommen werden,

    -wenn aus anderen Gründen die Wirkdauer gut steuerbar sein soll.

Ihre Anwendung ist eingeschränkt, da

    -bei schwierigen chronischen Fällen die Wirksamkeit oft nicht ausreicht,

    -bei zu häufiger Gabe Arzneimittel-Prüfungssymptome auftreten können,

    -die Anwendung für den Patienten wesentlich aufwendiger ist als bei den übrigen Potenzierungsformen

Nun noch einige allgemeingültige Einnahmeregeln:

Tiefpotenzen werden meist mehrmals täglich ( z.B. 2-3 mal 5 Tropfen/ Tag),

Q-Potenzen einmal täglich verordnet, Hochpotenzen in der Regel als Einmalgabe für einen längeren Zeitraum ( ungefähre Wirkdauer einer D15: eine Woche, D30: zwei Wochen, C30: einen Monat, höhere Potenzen mehrere Monate. Im Einzelfall gibt es große Abweichungen). In den meisten Fällen wird das homöopathische Medikament oral eingenommen, d.h. die Tablette, Globuli oder Tropfen auf der Zunge zergehen zu lassen.

Bei akuten Erkrankungen wird man sehr rasch sehen, ob die Behandlung erfolgreich war. Sobald sich eine deutliche Besserung einstellt, kann mit der Einnahme des Medikaments aufgehört werden. Wenn sonst kein chronisches Leiden vorliegt, muß der Patient bei guter Arzneimittelwahl sehr rasch gesund werden. Bei den akuten Krankheiten sollte man nur dann von einem Therapieerfolg sprechen, wenn die Krankheit ungewöhnlich schnell vorübergeht oder gefürchtete Komplikationen ausbleiben.

  • Aus der Reaktion auf die Medikamentengabe lassen sich prognostische Schlüsse ziehen.
  • Die Nachbeobachtung beantwortet die Frage, wann wieder ein Arzneimittel verordnet werden soll.

Mögliche Reaktionen nach der ersten Verordnung eines homöopatischen Medikaments sind:

  • Erstverschlimmerung
  • Veränderung des Allgemeinzustandes
  • Teilweises Verschwinden von Symptomen
  • Neuauftreten von Symptomen
  • Unveränderter Zustand

Das Auftreten einer Erstverschlimmerung , d.h. die vorübergehende, kurzdauernde Verstärkung von Beschwerden, ist ein recht sicheres Zeichen einer guten Arzneimittelwahl. Ist die Erstverschlimmerung heftig, so soll bei der nächsten Verordnung eine besser angepaßte Arzneimittelgabe, also eine Dosisreduktion bzw. das Verordnen einer höheren Potenzstufe erfolgen, wenn das Mittel ausgewirkt hat.

Für eine richtige Mittelwahl spricht auch eine Veränderung der Symptomatik nach der Heringschen Regel: Die Symptome verschwinden von innen nach außen, von oben nach unten und in der umgekehrten Folge ihres Auftretens.

Treten hingegen Symptome auf, die der Patient bisher nie gehabt hat, hält die Besserung nur kurz an, geht es dem Patienten insgesamt nicht besser oder tritt gar keine Änderung auf, so war entweder das Medikament nicht richtig gewählt, ein Heilungshindernis wurde nicht beseitigt oder es besteht ein homöopathisch nicht therapierbarer Zustand.

Zurück zum günstigeren Fall eines Ansprechens auf die Therapie: Als Grundregel für die Wiederholung von homöopathischen Arzneien gilt, daß man stets die Reaktion des Organismus abwartet, jede fortschreitende Besserung ist eine Kontraindikation gegen ein erneute Arzneimittelgabe.Erst wenn die Wirkung aufgehört hat, wiederholt man. In der Regel wird dabei das Medikament in etwas veränderter Form gegeben: in einer höheren Potenzstufe oder bei Q-Potenzen nach Weiterpotenzieren durch den Patienten

Literatur:

DHU: Homöopathie im Blickpunkt,

Wissenschaftliche Beratung: Dr. med.R. Schüppel, Ulm

Homöopathie in der Selbstmedikation

Erkältungen – Sommer und Winter –

Warum gleich zur "Chemie" greifen, wenn die Homöopathie sanfte, nebenwirkungsfreie Lösungen bietet. Dankbar hierfür sind insbesondere auch Schwangere und die Kleinkinder.

Eine Arzneigabe entspricht ca. 5 Tropfen (Dilutionen) bzw. 5 Kügelchen (Globuli).

Vorbeugung:

Bei naßkaltem Wetter, vor allem bei leicht fröstelnden Menschen

    Camphora D1
    1mal tägl. vor Verlassen des Hauses

Abwehrschwäche

Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, gegen wiederkehrende fieberhafte Infekte

    Echinacea D2
    3mal tägl.

 

Bei allen akuten, plötzlich auftretenden Beschwerden:

    Aconitum D30
    dann die entsprechende Arznei

 

Rheumatische Erkältung

    rheumatisch, fiebrig, Muskeln, Gelenke und Knochen wie zerschlagen

      Eupatorium D6
      anfangs stündl., später 3mal tägl.

"Kopfgrippe"

    bei Einbruch schwüler Tage winters, Kopfdruck, Hinterkopfschmerz, Frostschaudern

      Gelsemium D12
      anfangs 2-stündl., später 2mal tägl.

Husten

    - Bellhusten: Bei Beginn; trockener Husten; häufig nachts; Wärme suchend, zum Schwitzen neigend

      Belladonna D30
      1mal bei Bedarf

    - Reizhusten: vor allem im Liegen, in der Wärme bessert sich der Zustand

      Rumex D6
      anfangs stündl., später 3mal tägl.

    - Reizhusten :aus der Tiefe; bei jeder Bewegung; in der Kälte bessert sich der Zustand

      Bryonia D4
      anfangs stündl., später 3mal tägl.

    - Feucht und verschleimt:

      Spongia D4
      anfangs stündl., später 3mal tägl.

    - Trocken und blechern

      Drosera D4
      anfangs stündl., später 3mal tägl

Schnupfen:

    -Fließend: Schaumig, schmeckt salzig

      Natrium muriaticum D30
      1mal tägl.

    -Stockschnupfen: Nase und Ohren zu

      Kalium muriaticum D4
      anfangs stündl., später 3mal tägl

Halsschmerzen:

    - Bei beginnenden Schluckbeschwerden in der Mitte des Halses;
     druckempfindliche Lymphdrüsen; Kälte lindert

      Aconitum D30
      1mal bei Bedarf

    - Nach Aconitum; trockener, stechender Schluckschmerz;
     Rachen ist trocken, geschwollen, hellrot; Kälte lindert

      Apis D30
      1mal bei Bedarf

    - Nach Apis; hämmernde Schmerzen; Rachen rot wie Tollkirsche; Wärme lindert

      Belladonna D30
      1mal bei Bedarf

    - Schmerzen trotz fehlender Mandeln, die sich gern zum Ohr hinziehen;
     Seitenstrangangina; Rachen dunkelrot

      Phytolacca D6
      anfangs 2stündl., später 3mal tägl.

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